Tuesday, November 18, 2014

Weißt du, hier sind wir im Iran

Weißt du, hier sind wir im Iran.


Hier hat keiner das Recht zu reden.


Wem sein Leben lieb ist, der hält den Mund.


Hier hat jeder seinen Preis, alles ist käuflich.


Hier gibt in der Politik der Islam den Ton an.


Hier ist Dritte Welt, da stellt man auch Gott in Frage.


Hier ist alles verboten, hier wird alles mit Gewalt gelöst.


Die Parole hier heißt: Warum miteinander reden,


wenn es sich doch alles im Streit lösen lässt?


Hier schweigen selbst die Lämmer.


(Gedicht von Negar, ein 12-jähriges iranisches Mädchen)


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Monday, November 17, 2014

Iran: Tod eines Popstars



Die ersten Menschen versammeln sich vor dem Krankenhaus nach dem Tod von Mortesa Pascha‘i


Vergangene Woche ist der iranische Popmusiker Mortesa Pascha‘i im Alter von 30 Jahren an Bauchkrebs gestorben. Es war kein verbotener Sänger, auch im staatlichen Fernsehen durfte er mitunter auftreten, auch wenn das Regime generell nicht viel von Popmusik hält. Seine Lieder waren eher traurig, aber sehr beliebt.




Der Sarg kommt in den Menschenmassen nicht mehr weiter, junge Gesichter, sie machen Handyfotos


Das führte dazu, dass schon kurz nach Bekanntwerden seines Todes in Teheran, Maschhad, Qaswin, Schiras, Isfahan, Hamedan, Kermanschah, Ahwas, Sandschan, Yasd und Semnan sowie in vielen kleineren Städten Menschen mit Kerzen auf die Straßen gingen und einige seiner Lieder sangen. Im Gegensatz zu dem, was sonst bei Trauerfeiern üblich ist, klatschten sie mancherorts dabei auch in die Hände. An manchen Orten reagierte die Polizei verständnisvoll und ließ die Menge gewähren, an anderen, wie Maschhad, schritt sie ein und verhaftete eine Anzahl von Trauernden.




Keine Kundgebung – alles Trauernde!


Es waren so viele Menschen auf die Straßen gekommen, dass am jeweiligen Ort der Verkehr zum Erliegen kam. Klar ist, dass nicht das Regime hierzu aufgerufen hatte. Auch die Angehörigen des Verstorbenen hatten die Bevölkerung per Radio aufgerufen, nach Hause zu gehen und keine Parolen zu rufen.




Poster, von Hand ausgedruckt


Woher kamen die Menschen dann? Nun – Internet und SMS sind im Iran schon so stark vertreten, dass der Informationsfluss auf diesem Weg nicht mehr in der Hand der Regierung liegt, das einzige, was sie tun kann, ist die Geschwindigkeit des Internets herabzusetzen. Auffällig war auch, dass die Menschen überall Fotos von Mortesa Pascha‘i in der Hand hielten. Auch dies ein Zeichen, dass genügend Menschen zu Hause einen kleinen Drucker besitzen, so dass keine staatlich kontrollierte Drucker das unterbinden kann.



Es kam so weit, dass der Tote in der Nacht begraben wurde, weil der Totenzug sonst gar nicht auf der Straße vorangekommen wäre.

Die Staatsanwaltschaft von Qaswin und andere Machtorgane sprachen natürlich gleich davon, dass diese Trauerfeiern vom bösen Ausland angezettelt worden seien.




Beerdigung bei Nacht


Aber Faktum ist, dass der Staat wie auch die Opposition im Inland und Ausland von diesem Ausmaß an Sympathie für den Sänger überrascht waren.

Viele Zeitungen im Iran schrieben, dass dieses spontane Auftreten der Menschenmengen nicht nur überraschend war, sondern auch einen Grund zum Nachdenken bietet.

In „Tabnak“ erschien am 16. November 2014 ein interessanter Artikel unter dem Titel „Ramzgosha‘i-ye ruznameha az tawajjoh-e bi-sabeqe-ye jame°e be dar-gozasht-e xanande-ye jawan“ („Die Zeitungen lüften das Geheimnis der unvergleichlichen Anteilnahme der Gesellschaft am Tod eines jungen Sängers“).


Wir kennen unser Volk nicht

Tabnak weist darauf hin, dass diese spontanen Kundgebungen sowohl für die „Elite“ (gemeint sind die Machthaber) wie auch für die politischen Parteien völlig überraschend kamen. Überraschend, weil sie das Volk nicht mehr kennen. Ihre Ideen und Vorbilder haben sich weit von dem entfernt, was die heutige Generation beschäftigt. So ist es kein Wunder, dass auch viele der Trauernden unter 30 waren. Ohne Namen zu nennen, schreibt Tabnak, dass diese Generation nichts mehr mit den Gedanken der Ajatollahs am Hut hat, aber auch die traditionellen Parteien, die Monarchisten, die Kommunisten u.s.w. prägen ihr Denken nicht mehr. Diese Generation ist sich selbst Vorbild. Mortesa Pascha‘i war einer der Ihren. Die Reaktion auf seinen Tod war keine Kundgebung, es geht nicht um den Sturz irgendeines Regimes, Mortesa Pascha‘i war ein Sänger, der ihre Gefühle angesprochen hat. Und diese Gefühle haben sie jetzt auf die Straße getragen.




Es gibt einen, der nicht mehr ist…


Die verbrannte Generation

Nasle suxte – Die verbrannte Generation, so nennt Tabnak diese Jugend, die in ihren besten Jahren die vollen Schläge der Wirtschaftskrise, die kulturelle Enge, die sozialen Probleme durchmachen muss und sich mit Zähnen und Klauen wehren muss, um am Leben zu bleiben. Die Elite hat sie bislang schlicht und einfach ignoriert. Jetzt ist sie aus dem Staub aufgetaucht, unter dem sie begraben war. Auferstanden von den Toten.


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Iran: Hinrichtungen in Bandar-Abbas



Ist das jetzt der Erfolg des kulturellen Dialogs mit dem Iran? Man könnte fast meinen links im Bild sei ein Kreuz (auch wenn es ein Baugerüst ist).


Am Samstag, den 15. November 2014,wurden auf der Küstenpromenade (Bulwar-e Saheli) von Bandar-Abbas drei Männer öffentlich hingerichtet. Ihnen wurde Diebstahl, Vergewaltigung und Taschendiebstahl zur Last gelegt.




und die Minarette dürfen natürlich nicht fehlen:

La dschabr fi d-din – Es gibt keinen Zwang in der Religion – wie man sieht, lässt sich der Koran genauso dehnbar deuten wir andere religiöse Texte.


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Saurer Regen im Iran: Bassidschi sind geschult



Pasdar-General Mohammad Resa Naqdi


Mohammad Resa Naqdi, Vorsitzender der Bassidschi-Milizen, erklärte am 17.11.2014 in einem Interview mit der iranischen Nachrichtenagentur FARS, dass die Bassidschi-Milizen 22 Million Mitglieder umfassten (bei einer Bevölkerung von 75 Millionen Einwohner – das glaubt er ja selber nicht!).

Weiter spricht er von 2000 Bassidschi-Kampf-Einheiten, die seit einem Jahr darin geschult würden, den Kampf zur „Durchsetzung des religiös Gebotenen und zur Unterbindung des religiös Verbotenen“ (amr be ma°ruf wa nahy az monker) durchzuführen.

Auch wenn die Ajatollahs zornig werden, aber im iranischen Kontext kann man das nur so verstehen, dass sie geschult wurden, wie man Frauen Säure ins Gesicht schüttet. Eine Woche zuvor hatte das iranische Parlament einen Beschluss gefasst, dass es Aufgabe der Bassidschis sei, „Kulturarbeit und die Durchsetzung des religiös Gebotenen sowie zur Unterbindung des religiös Verbotenen auf mündlicher Basis“ durchzuführen. Sollen sie die Säure mit dem Mund ausspucken?

Mohammad Resa Naqdi wäre freilich auch ohne den Parlamentsbeschluss gut zurecht gekommen. Gegenüber der Nachrichtenagentur FARS erklärte er nämlich: „Wenn es auch kein Gesetz zur Durchsetzung des religiös Gebotenen und zur Unterbindung des religiös Verbotenen gäbe, wären wir trotzdem verpflichtet, dies durchzuführen, denn die Durchsetzung des religiös Gebotenen ist göttliches Gesetz, das im Koran erwähnt wird.“


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Iran: Hinrichtung zweier Balutschen

Im Zentralgefängnis von Sahedan (Region Sistan und Balutschestan) wurden am vergangenen Samstag zwei junge Männer hingerichtet. Beide waren unter dem Vorwurf der Zugehörigkeit zu regimekritischen Gruppen als sogenannte „Feinde des Islams“ zum Tode verurteilt worden.

Mahmud Schah-Bachsch, der ca. 25 Jahre alt war, war drei Jahre lang im Zentralgefängnis von Sahedan gefangen gehalten worden und unter Folter gezwungen worden, vor laufender Kamera ein „Geständnis“ abzulegen.

Wahid Schah-Bachsch, der zum Zeitpunkt der Hinrichtung ca. 27 Jahre alt war, hat schon fast vier Jahre im Zentralgefängnis von Sahedan hinter sich.

Beide wurden im Gefängnishof am Galgen aufgehängt.


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Iran: Proteste gegen Säureattentate gehen weiter



Protestveranstaltung an der Internationalen Hochschule in Qaswin


Am Montag, den 10. November 2014, haben Studentinnen und Studenten der internationalen Hochschule von Qaswin eine Protestveranstaltung gegen die Säureattentate auf „unislamisch“ gekleidete Frauen im Iran abgehalten und ein Flugblatt dazu verteilt. Darin weisen sie darauf hin, dass die Attentäter bis heute, einen Monat später, noch immer nicht gefasst wurden, während sozial aktive Menschen rasch im Gefängnis landen.


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