Wednesday, October 8, 2014
ISIS und die PKK: Ein strategischer Fehler?
Am 7. Oktober war in türkischen Zeitungen zu lesen, dass etwa 50 maskierte PKK-Anhänger in Zusammenhang mit dem Vorrücken der ISIS auf Kobani (an der syrisch-türkischen Grenze) das türkische Generalkonsulat in Bregenz (Vorarlberg) mit Steinen beworfen habe und dabei einige Scheiben zu Bruch gegangen seien. Vor dem UN-Gebäude in Genf habe sich eine Gruppe von PKK-Sympathisanten mit Öcalan-Postern und PKK-Fahnen versammelt. Etwa 10 Personen hätten dann die Eisengitter übersprungen und sei in den Bereich vorgedrungen, in dem die Staatsfahnen der UN-Staaten aufgehängt sind. Sie hätten versucht, die türkische Fahne runterzuholen, seien aber von UN-Personal daran gehindert worden. In Brüssel (Belgien) sei eine Gruppe gewaltsam ins Gebäude des Europaparlaments eingedrungen, um gegen das Eindringen der ISIS in Kobani zu protestieren. Der Parlamentspräsident Martin Schulz habe Vertreter der Aktivisten empfangen, aber gegen das gewaltsame Vorgehen protestiert. Vor dem Parlamentsgebäude hielten etwa 100 Personen einen Sitzstreik ab. In Marseille (Frankreich) hat eine Gruppe von Protestierenden morgens vier Molotowcocktails auf das Türkische Generalkonsulat geworfen. Am Abend habe eine 20-köpfige Gruppe versucht, gewaltsam ins Generalkonsulat einzudringen, sei aber von Sicherheitskräften des Konsulats, nicht der französischen Polizei, daran gehindert worden. Darauf hätten die Angreifer Steine und Ziegel auf das Konsulat geworfen, auch hier seien Scheiben zersplittert. Protestkundgebungen gegen den Vormarsch von ISIS wurden auch von Kurden auf dem Charles de Gaule-Flughafen in Paris, auf dem Flughafengelände von Kopenhagen und auf dem internationalen Fiumicino-Flughafen in Rom abgehalten.
Das gleichzeitige und zugleich internationale Vorgehen macht deutlich, dass es sich um eine koordinierte Aktion handelt. In einer Situation, in der die türkische Regierung ohnehin zögert, auf Seiten der Kurden gegen die ISIS in Kobani einzuschreiten und eher bestrebt ist, die Grenzen dicht zu machen, ist ein solches Vorgehen ein grundlegender Fehler. Maskierte Angreifer und gewaltsames Auftreten und speziell Angriffe auf die türkische Fahne treiben türkisch-nationalistische Kreise in die Arme der Regierungspartei AKP und erhöhen den Druck der öffentlichen Meinung in der Türkei, die Kurden ihrem Schicksal zu überlassen. In Leserbriefen an die Zeitung Radikal kann man zum Beispiel lesen, dass die Kurden, die doch im Irak ihren Staat und ihre Truppen hätten, selber dafür sorgen sollten, ihre Gebiete zu schützen.
Quelle:
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Monday, October 6, 2014
Islamistischer Terror – Türkei am Scheideweg
ISIS und der Iran – Rivalen
Zugegeben, die Organisation „Islamischer Staat im Irak und Syrien“ (ISIS) wird nicht von den iranischen Mollas unterstützt und auch nicht von den iranischen Pasdaran ausgebildet. Insofern scheint der Iran für diesmal nur außenstehender Zuschauer zu sein. Aber der Eindruck trügt. Erstens verläuft der Krieg, den ISIS gegen die Bevölkerung im Irak und Syrien durchführt, in zwei Gebieten, die sich seit langem durch militärische Präsenz des Irans auszeichnen. Im Irak waren es die Kämpfer vom Moqtada Sadr, die mit Geld, Waffen und humanitären Gütern Unterstützung von iranischer Seite erhielten, in Syrien war der Iran direkt mit Einheiten der Pasdaran vertreten, um das Regime von Baschar al-Assad zu unterstützen. Wenn eine militärische Bewegung wie ISIS dort die Karten neu mischt, hat das automatisch Auswirkungen auf die Position des Irans.
Kurden vor der Haustür – oder Islamisten?
Aber noch viel direkter betroffen ist zur Zeit die Türkei. Nicht nur, weil dort zahlreiche Flüchtlinge aus Syrien Zuflucht gesucht haben, nicht nur wegen der intensiven Wirtschaftspräsenz der Türkei in Syrien, sondern auch, weil die Kämpfe um Kobaniye jetzt direkt an der türkisch-syrischen Grenze ablaufen. ISIS hat bislang von dieser für Schmuggel durchlässigen Grenze profitiert, indem es irakisches Erdöl aus seinem Besatzungsgebiet günstig in die Türkei verkauft hat. Wenn man 60 Dollar pro Barrel verlangt statt 100, finden sich schon Käufer…
Ob die türkische Regierung dagegen nicht einschreiten wollte oder konnte, ist eine Frage für sich. Jetzt muss sie sich aber entscheiden. Der Widerstand in Kobaniye wird stark von kurdischen Kämpfenden (auch Frauen) getragen, syrischen Kurden wie türkischen. Die PKK führt in Kobaniye Schulungen für Frauen durch. Dies soll ein revolutionäres Frauenbild fördern und nebenbei das Image von „Apo“ Öcalan aufmöbeln, der hier zum Philosoph mutiert und dessen Bild viele Gebäude in Kobaniye ziert. Dabei suchen die Vertreter der Kurden auch Verbündete vor Ort, zum Beispiel unter den Arabern.
Lässt die türkische Regierung den Fall von Kobaniye zu, hat sie die Islamisten der ISIS morgen im eigenen Land und damit auch den Krieg im eigenen Haus. Unterstützt sie dagegen die Kurden in Kobaniye, stärkt das deren Position in Syrien und rückwirkend vermutlich auch in der Türkei. Und wenn man eine bewaffnete Organisation wie die PKK Jahrzehnte als Terroristen und Kindermörder in den Medien brandmarkt, wie das in der Türkei geschieht, kann man so eine Haltung nicht von heute auf morgen wechseln. Eine schwierige Entscheidung.
Die kurdische Version
In PKK-nahen Quellen wie Özgür Gündem kann man zum Beispiel lesen, dass die ISIS die Hügel um den türkischen Grenzübergang Mürsitpinar unter Beschuss genommen haben, ohne dass die türkische Armee das Feuer erwidert hätte. Dafür hätte die türkische Armee sämtliche Grenzübergänge geschlossen und so dazu beigetragen, dass eine Person, die durch einen Angriff der ISIS verletzt wurde, nicht behandelt wurde und an den Folgen der Verletzung gestorben sei.
Die Version des türkischen Militärs
Militärische Quellen aus der Türkei haben dafür gegenüber der türkischen Tageszeitung Milliyet (Nation) erklärt, dass sie auf alle Aggressionen antworten, die gegen die Türkei gerichtet sind. Dies berichtet die Zeitung Radikal am 5. Oktober unter dem Titel: Die Türkischen Streitkräfte schießen ohne Unterschied auf die YPG (Kurdische Einheiten in Kobaniye) und die ISIS („TSK, YPG ve IŞİD ayırmadan vuruyor“).
So heißt es, wenn Schüsse auf türkisches Territorium gezielt würden, könne mit Hilfe der Radaranlagen AN-TPQ-26 sofort festgestellt werden, von wo sie abgefeuert wurden. Darauf werde mit der Panzerhaubitze T-155 Fırtına geantwortet (eine türkische Lizenzproduktion der südkoreanischen Panzerhaubitze K9 Thunder). Die türkischen Militärs wollen mit dieser Darstellung betonen, dass sie nicht auf die US-amerikanischen F-16-Flugzeuge zur Aufklärung angewiesen seien. Zweimal sei von Fahrzeugen der ISIS auf türkischen Boden geschossen worden, einmal von einer Batterie der kurdischen Einheiten. Die türkischen Streitkräfte hätten auf diese Beschießung mit Gegenfeuer geantwortet.
http://j.mp/1s4gtU7
Diese Darstellung zeigt deutlich, dass die türkische Armee bemüht ist, sich als neutraler Gegner darzustellen. Konsequent weitergedacht bedeutet das, dass sie den als Gewinner akzeptiert, der sich in Kobaniye als der Stärkere erweist. Das ist vermutlich nicht das Ziel der Armee, man kann also davon ausgehen, dass solche Erklärungen vor allem der Beschwichtigung des nationalistisch gesinnten Teils der türkischen Bevölkerung dienen.
Und Erdogan?
Die Entscheidung wird wahrscheinlich Erdogan und seine Regierung treffen, denn er hat die bisherigen Amtszeiten dazu genützt, die politische Macht des Militärs zu stutzen, so dass diese zwar noch ihre Version verbreiten können, aber nicht unbedingt das letzte Wort haben.
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Iran: Wasser zu Wein?
Über die Verwandlung von Wasser zu Wein kann man in der Bibel lesen.
Im Iran bringt man ein anderes Kunststück zustande: Dort verwandelt man Wasser in Abwasser,
Zugegeben, es riecht nicht ganz so wie bei einer Weinprobe, und der Iran hat auch keine Urheberrechte auf diese Erfindung, hier am Bodensee hat man dieses Experiment vor über vierzig Jahren auch schon gemacht.
Im Gegensatz zum Iran hatten aber weder Bayern noch Vorarlberg, weder der Thurgan noch Sankt-Gallen oder Baden-Württemberg die Absicht, ihre Probleme mit dem Bau der Atombombe zu lösen. Sie begnügten sich mit kleinen Dingen, zum Beispiel dem Bau von Kläranlagen rings um den See. Der Erfolg kann sich sehen lassen – heute muss man im Winter keine Seeputzete mehr mit Schülern veranstalten.
Geld hätte der Iran ja genug, so etwas zu bauen, und statt sich von Indien billige Stoffe liefern zu lassen und von China Gebetsteppiche, könnte man ja auch chinesische und indische Ingenieure und Baufirmen holen und Kläranlagen im ganzen Iran bauen. Aber dabei verdient man wohl nicht so viel wie mit Schmuggel und so.
Faktum ist jedenfalls, dass zahlreiche Flüsse im Iran heute nur noch als Abwasserkanäle bezeichnet werden können. So leitet nicht nur die Industrie, sondern auch große Städte wie Rascht ihr Wasser ungeklärt in die Flüsse Sardschub und Gohar-Rud (Region Gilan), von wo es dann in das Riedgebiet und die anschließende Lagune Ansali fließt, die für ihren Fischreichtum berühmt ist. Am Anfang werden die Fische (bestimmte Arten, zumindest) sich vermehren, weil es mehr Nährstoffe gibt, und dann wird das Wasser zu faulen beginnen und die toten Fische auf dem Wasser treiben.
Solange es im Iran keine Autonomien gibt, sondern alles von der Zentralregierung entschieden und verteilt wird, ist mit Besserung nicht zu rechnen. Denn die Bevölkerung, die es „ausbaden“ muss, hat nichts zu sagen und hat auch kein Geld, selbst Kläranlagen zu bauen.
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Iran: Explosion im militärischen Sperrbezirk Partschin
In der Nacht von Sonntag auf Montag (5. auf 6. Oktober 2014) kam es laut Angaben des iranischen Verteidigungsministeriums bei der Sazeman-e Sanaye‘e Defa‘ (Organisation der Verteidigungsindustrie), die militärische Ausrüstung und Sprengstoffe für das Verteidigungsministerium herstellt, zu einem Brand, bei dem zwei Menschen ums Leben gekommen seien.
Laut Saham-News, die Mehdi Karubi nahe steht, kam es im militärischen Sperrbezirk Partschin im Osten Teheran zu einer heftigen Explosion, die die ganze Umgebung erschütterte und die Scheiben der Häuser im Umkreis eindrückte. Ein heller Schein war am Ort der Explosion von weitem zu sehen. Die Wege Richtung Partschin wurden von den Militärs gesperrt, so dass niemand den Vorfall aus der Nähe begutachten konnte.
Die Internationale Atomenergiebehörde hegt den Verdacht, dass in Partschin Zünder für atomare Sprengkörper entwickelt werden. Bis heute wurde der Internationalen Atomenergiebehörde der Zugang zu diesen Einrichtungen verweigert.
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Iran: .. und morgen die ganze Welt
Der Oberbefehlshaber der iranischen Revolutionswächter (Pasdaran) Asis Dscha‘fari hat letzte Woche in einem Interview mit der islamisch-fundamentalistischen Zeitung Keyhan Folgendes erklärt: „Die Aufgabe der Jerusalem-Streitkräfte“ ist die Verbreitung der Islamischen Revolution auf der ganzen Welt“.
Nicht mehr, nicht weniger, kam natürlich auf der ersten Seite, wie man an beiliegendem Bild sieht.
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Iran: Neues von den Schmuggelbrüdern
Mohammad Morawwedsch Hosseini, Vorsitzender des Verbandsvorstands der Textilindustrie, hat in einem Interview mit der iranischen Nachrichtenagentur ILNA interessante Hinweise auf die Tätigkeit der Pasdaran geliefert. So erklärt er, dass der Iran für seine Erdölexporte nach Indien 45% des Preises in Rupien erhalte, den Rest bekomme er in Waren bezahlt. Teil dieses Geschäfts sind 220.000 Tonnen Tuch und 25.000 Tonnen Garn schlechter Qualität, die jetzt vom Iran importiert wurden. Mohammad Morawwedsch Hosseini nennt die Importeure: Von den 220.000 Tonnen Tuch, die aus Indien in den Iran importiert wurden, wurden 50.000 Tonnen von Firmen eingeführt, die den militärischen Institutionen gehören (gemeint sind die Pasdaran), 80.000 Tonnen wurden offiziell über die Freihandelszonen importiert (die auch unter staatlicher iranischer Kontrolle stehen), und die verbliebenen 90.000 Tonnen wurden auf dem Wege des Schmuggels ins Land gebracht. (Auch wenn er es nicht sagt: Auch hier sind die Pasdaran wieder beteiligt, die vom vergangenen Präsidenten Ahmadineschad einmal als Schmuggelbrüder bezeichnet wurden. Das war wohl einer der wenigen Aussprüche von ihm, die die Wahrheit auf den Kopf trafen, wobei man nicht vergessen darf, dass er selbst zu ihnen gehört).
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